Technik
Elektrik im Camper: wie viel Batterie, wie viel Solar, welches Kabel
Fast jede Elektroplanung beginnt verkehrt herum: erst eine Batterie kaufen, dann schauen, ob es reicht. Die Reihenfolge, die funktioniert, ist genau umgekehrt — erst den Tagesverbrauch addieren, dann festlegen, wie viele Tage ohne Sonne möglich sein sollen, und erst danach die Batterie wählen. Dieser Artikel geht diese Rechnung durch und nennt die passenden Kabelquerschnitte.
Aktualisiert am 15 Min. Lesezeit
Schritt eins: Tagesverbrauch addieren
Rechnen Sie in Amperestunden bei zwölf Volt. Je Gerät: Strom in Ampere mal die Stunden, die es täglich läuft. Ein Kühlschrank läuft nicht vierundzwanzig Stunden, sondern taktet; rechnen Sie daher mit dem Tagesverbrauch, nicht mit der Stromaufnahme im Betrieb.
| Verbraucher | Pro Tag | Hinweis |
|---|---|---|
| Kompressorkühlschrank 50 Liter | 25 – 50 Ah | Verdoppelt sich im heißen Sommer; mit Abstand der größte Posten |
| LED-Beleuchtung, 4 Stunden | 2 – 5 Ah | Vernachlässigbar, auch wenn es sich anders anfühlt |
| Wasserpumpe | 1 – 3 Ah | Kurz, aber mit hohem Anlaufstrom |
| Dieselheizung, Gebläse | 5 – 20 Ah | Stark abhängig von der Außentemperatur |
| Handys und Laptop laden | 5 – 15 Ah | Über den Wechselrichter nochmals rund zehn Prozent Verlust |
| Wasserkocher oder Kaffeemaschine auf 230 V | 15 – 30 Ah | Jeweils wenige Minuten, aber mit enormem Strom |
Zwei Personen mit Kühlschrank, Licht, Pumpe und etwas Laden liegen im Sommer meist zwischen vierzig und achtzig Amperestunden pro Tag. Diese Zahl ist Ihr Ausgangspunkt; alles Weitere folgt daraus.
Schritt zwei: die Batterie
Die Kapazität auf dem Etikett ist nicht dasselbe wie die nutzbare. Eine Bleibatterie — AGM oder Gel — hält am längsten, wenn sie nicht unter die Hälfte geht; rechnen Sie also mit der Hälfte des Aufdrucks. Eine LiFePO4-Lithiumbatterie lässt sich zu achtzig bis neunzig Prozent nutzen, hält zwei- bis viermal so lange und wiegt halb so viel. Sie kostet mehr in der Anschaffung und weniger je genutzter Amperestunde — und das ist die Rechnung, die zählt.
Faustregel: Tagesverbrauch mal die Tage ohne Sonne, dann bei Lithium durch 0,8 und bei Blei durch 0,5 teilen. Sechzig Amperestunden pro Tag, zwei Tage Puffer, Lithium: 60 × 2 ÷ 0,8 = 150 Ah. Dasselbe in Blei: 240 Ah — und das sind über fünfzig Kilo.
Schritt drei: drei Wege zu laden
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Vom Motor, mit Ladebooster
Das ist die zuverlässigste Quelle, denn sie funktioniert auch im November. Ein moderner Bus mit intelligenter Lichtmaschine lädt eine zweite Batterie nicht von allein richtig: Die Spannung wird für die Starterbatterie geregelt und fällt ab, sobald diese voll ist. Ein Ladebooster dazwischen löst das und ist bei Lithium ohnehin Pflicht, weil die Batterie sonst so viel Strom zieht, dass die Lichtmaschine ausfällt.
- 02
Solarmodule mit MPPT-Regler
Zwei Module mit 150 bis 200 Wp liefern in einem mitteleuropäischen Sommer grob 40 bis 70 Amperestunden pro Tag. Im Dezember ist es ein Zehntel davon — keine Enttäuschung, sondern Physik. Nehmen Sie einen MPPT-Regler statt eines billigen PWM: Das macht im Winter ein Viertel des Ertrags aus, genau dann, wenn Sie ihn brauchen.
- 03
Landstrom, mit Ladegerät
Auf dem Campingplatz der schnellste Weg zurück zu voll. Wählen Sie ein zum Batterietyp passendes Ladegerät — Lithium hat ein anderes Ladeprofil als Blei — und stellen Sie es so ein, dass es bei voller Batterie nicht weiterlädt.
Kabelquerschnitt: die Tabelle
Bei zwölf Volt ist der Spannungsabfall die ganze Geschichte. Dasselbe Kabel, das bei 230 Volt reichlich dimensioniert ist, verliert bei 12 Volt so viel Spannung, dass die Pumpe nicht mehr anläuft und das Kabel warm wird. Rechnen Sie immer Hin- und Rückweg: Ein Verbraucher in drei Metern Entfernung hat sechs Meter Kabel. Unten gängige Fälle, großzügig gewählt.
| Verbindung | Strom | Querschnitt |
|---|---|---|
| LED-Beleuchtung, bis 5 m | 2 A | 1,5 mm² |
| Wasserpumpe oder Kühlschrank, bis 4 m | 6 – 10 A | 2,5 mm² |
| Solarmodul zum MPPT, bis 6 m | 10 – 15 A | 4 – 6 mm² |
| Ladebooster von der Starterbatterie, 4 – 6 m | 30 A | 16 mm² |
| Batterie zur Sammelschiene, bis 1,5 m | 100 A | 25 – 35 mm² |
| Wechselrichter 1000 W, so kurz wie möglich | 85 – 100 A | 35 mm² |
In jede Plusleitung gehört eine Sicherung, so nah wie möglich an der Batterie — innerhalb von dreißig Zentimetern. Sie schützt das Kabel, nicht das Gerät: Eine 100-Ah-Batterie liefert im Kurzschluss hunderte Ampere, und genau das fängt die Sicherung ab. Das Schöne daran: Es ist zugleich das günstigste Bauteil der ganzen Anlage — ein paar Euro je Stromkreis, und die Sache ist dauerhaft erledigt.
Und dann 230 Volt
Alles oben ist Zwölf-Volt-Technik, und die können Sie mit Verstand und einer guten Sicherung selbst verlegen. Bei 230 Volt wählen Sie einen anderen Weg: Das ist Arbeit mit eigener Norm, und es lohnt sich, die Landstromanlage — Einspeisung, FI-Schutzschalter, Sicherung, Verbindung mit dem Aufbau — von einer qualifizierten Person errichten oder mindestens prüfen zu lassen. Das kostet einen Nachmittag, Sie bekommen einen Nachweis, und genau den will Ihre Versicherung sehen.
Die Reihenfolge beim Einbau
- Die gesamte Verkabelung kommt vor dem Dämmen in die Wand. Ein vergessenes Kabel bohren Sie später durch die fertige Verkleidung.
- Verlegen Sie überall ein Reservekabel mit. Es kostet jetzt drei Euro und später einen Arbeitstag.
- Bringen Sie Batterie, Sicherungen und Sammelschiene an einer zugänglichen Stelle zusammen, tief und zwischen den Achsen.
- Verwenden Sie gepresste Kabelschuhe statt Lüsterklemmen. Vibration macht aus jeder Schraubklemme mit der Zeit eine lose Verbindung — und eine lose Verbindung wird heiß.
- Zeichnen Sie die Anlage auf Papier, während Sie sie bauen. In drei Jahren wissen Sie nicht mehr, welche braune Ader wohin geht.
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Was Sie dafür brauchen
Diese Teile verkaufen wir (noch) nicht einzeln. Die Liste steht hier, weil das im Korb liegen sollte, bevor Sie anfangen.
- LiFePO4-Batterie 100 oder 150 Ah mit Batteriewächter
- Ladebooster 30 A für Busse mit intelligenter Lichtmaschine
- MPPT-Laderegler, passend zur Modulleistung
- Solarmodul 150 – 200 Wp mit Dachhalterung und Durchführung
- Batteriekabel 25 und 35 mm² mit gepressten Kabelschuhen
- Sicherungshalter mit Hauptsicherung, innerhalb von 30 cm zur Batterie
- Sammelschiene mit nummerierten Stromkreisen
Häufige Fragen
- Wie viel Batteriekapazität brauche ich im Camper?
- Addieren Sie zuerst den Tagesverbrauch — zwei Personen mit Kühlschrank, Licht und Pumpe liegen im Sommer bei vierzig bis achtzig Amperestunden. Multiplizieren Sie mit den Tagen ohne Sonne und teilen Sie bei Lithium durch 0,8, bei Blei durch 0,5. Sechzig Amperestunden pro Tag mit zwei Tagen Puffer ergeben 150 Ah Lithium oder 240 Ah Blei.
- Welchen Kabelquerschnitt brauche ich für 12 Volt?
- Das hängt vom Strom und von der Länge hin und zurück ab. Für Beleuchtung genügen 1,5 mm², für Pumpe oder Kühlschrank 2,5 mm², für einen 30-A-Ladebooster auf vier bis sechs Metern 16 mm², und für Batterie zur Sammelschiene 25 bis 35 mm². Bei zwölf Volt ist der Spannungsabfall entscheidend — lieber eine Nummer größer.
- Brauche ich einen Ladebooster?
- Bei einem modernen Bus mit intelligenter Lichtmaschine praktisch immer, bei einer Lithiumbatterie ausnahmslos. Eine intelligente Lichtmaschine regelt die Spannung für die Starterbatterie und fährt zurück, sobald diese voll ist — die zweite Batterie wird nie voll. Bei Lithium verhindert der Booster zudem, dass die Batterie so viel Strom zieht, dass die Lichtmaschine ausfällt.
- Wie viel liefert ein Solarmodul im Winter?
- Etwa ein Zehntel des Sommerertrags. Zwei Module, die im Juli zusammen vierzig bis siebzig Amperestunden täglich liefern, kommen im Dezember nicht über fünf bis zehn. Wer im Winter reist, lädt in der Praxis über den Motor oder Landstrom und nutzt Solar als Ergänzung.
- Wo muss die Sicherung sitzen?
- In jede Plusleitung, so nah wie möglich an der Batterie — innerhalb von dreißig Zentimetern. Die Sicherung schützt das Kabel, nicht das Gerät: Bei einem Kurzschluss liefert eine 100-Ah-Batterie hunderte Ampere, und ein ungeschütztes Kabel glüht in Sekunden.